Montessori Kinderhaus Salzburg - Aigen, Gyllenstormstraße 1, 5026 Salzburg, Tel.: 0699/14173366, montessori@gmx.at

Die Pädagogik Emmi Piklers: "Lasst mir Zeit"

Dr. Emmi Pikler (1902-1984) war eine ungarische Kinderärztin, sie lebte und arbeitete in Budapest. Sie war Gründerin und langjährige Leiterin des Pikler-Instituts "Loczy" und publizierte zahlreich zum Thema Erziehung, Pflege und Entwicklungsbedingungen im frühen Kindesalter.

Der Kern von Emmi Piklers Pädagogik besteht darin, die Würde und Kompetenz des Kindes, seine Eigeninitiative und -aktivität von Geburt an zu respektieren. Die Säulen ihrer Pädagogik sind die beziehungsvolle Pflege, die freie Bewegungsentwicklung und die Ermöglichung des freien Spiels .

Die beziehungsvolle Pflege

Emmi Pikler widmete der Qualität des Umgangs mit dem Kind große Aufmerksamkeit. Wenn dieser von liebevollem Respekt bestimmt wird und die Hände, die es pflegen, "tastend, empfindsam, behutsam und feinfühlig" sind, dann entspannt sich das Kind, so Piklers Beobachtung, und es fühlt sich aufgehoben und geliebt. Emmi Pikler spricht von der Qualität des Zusammenseins mit dem Kind.

Alltägliche Pflegehandlungen wie Essen, wickeln oder Hände waschen sollten nicht nur den Erfordernissen der Ernährung, Sauberkeit und Hygiene genügen, vielmehr sehen wir die Pflegesituation als eine Quelle der gemeinsamen Freude. Verständnisvoll und einfühlsam wollen wir die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess begleiten. Es ist uns wichtig, dass die vorgesehenen Tätigkeiten dem Kind Freude bereiten, dass diese Freude ihm erhalten bleibt, und dass jede Möglichkeit zu seiner selbständigen Mitwirkung unterstützt wird.

Die selbständige Bewegungsentwicklung und das freie Spiel

Freie Bewegungsentwicklung bedeutet bei uns im Kinderhaus, dass wir den Kindern nicht zeigen, wie sie die Treppe überwinden oder die Leiter hoch klettern sollten, weil wir darauf vertrauen, dass sie es, zu dem für sie richtigen Zeitpunkt, selbst entdecken. Wir loben die Kinder nicht, sondern freuen uns mit ihnen, sie dürfen selbstständig handeln, werden aber nicht alleine gelassen. Wir vertrauen auf ihre Entwicklungsfähigkeit und begleiten die Kinder auf ihrer Entdeckungsreise durch die von uns sorgfältig vorbereitete Umgebung.

"Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung der Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen, was für seine geistige Entwicklung am wichtigsten ist."

Zur freien Bewegungsentwicklung gehört auch das freie Spiel. Im Kinderhaus können die Kinder in der für sie vorbereiteten Umgebung im freien Spiel selbst die Umgebung, die Gegenstände und Spielsachen erkunden. Wichtig ist, dass sie ihre Position dafür frei wählen können, das bedeutet, sie spielen in Bauchlage oder krabbeln, sie hocken oder liegen auf dem Rücken usw. während sie spielen. Unterschiedlich hohe Hocker, sogenannte "Pikler Bewegungsgeräte" wie die Krabbelkiste, das Labyrinth, oder der Dreiecksständer, aber auch Polster und Matratzen unterstützen die freie Wahl der Position für das Spiel. Die Betreuerinnen beobachten die Kinder aufmerksam, mischen sich aber nur in Krisensituationen in das Spiel der Kinder ein. Häufig beobachten wir, dass die Kinder sich in diesem freien Spiel selbst die schwierigsten Aufgaben stellen und unermüdlich weiterprobieren. Wir bemühen uns, sie dabei nicht zu stören.

"Wir alle kennen diese ursprünglichen Regungen der Kinder, die immer wieder darauf hinauslaufen, allein probieren zu wollen. Wir sollten nur noch mehr darum wissen, dass diese unermüdliche Überwindung von Widerständen aus eigener Initiative dem Kind jene Spannkraft verleiht, die wir ihm zu erhalten wünschen, und dass die Freude an der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten darauf beruht, dass es selbständig beobachten, forschen, probieren und überwinden durfte."

Elfriede Hengstenberg in "Entfaltungen"